Goethe-Gymnasium Berlin-Lichterfelde

Lesung mit Barbara John und Vera Gaserow: Zeitgeschichte im Gespräch

Ein besonderer Abend an der Goethe-Oberschule Berlin

Die Goethe-Oberschule in Berlin ist seit vielen Jahren ein Ort lebendiger Debattenkultur. Mit der Lesung von Barbara John und Vera Gaserow wurde diese Tradition eindrucksvoll fortgeführt. Vor Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften sowie interessierten Gästen lasen und diskutierten die beiden renommierten Persönlichkeiten über Themen, die weit über den schulischen Alltag hinausreichen: Integration, Identität, politische Verantwortung und die Frage, wie eine vielfältige Gesellschaft zusammenhält.

Barbara John: Pionierin der Integrationspolitik

Barbara John, vielen als langjährige Ausländerbeauftragte des Berliner Senats bekannt, gilt als eine der prägenden Stimmen der deutschen Integrations- und Migrationspolitik. In ihren Büchern und Vorträgen verbindet sie persönliche Erfahrungen, historische Entwicklungen und politische Analyse. Während der Lesung an der Goethe-Oberschule stellte sie zentrale Gedanken vor, die verdeutlichen, wie sehr Berlin und Deutschland durch Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern geprägt sind – und welche Chancen und Herausforderungen daraus entstehen.

Besonders eindrücklich waren ihre Schilderungen aus den Jahrzehnten, in denen Migration vor allem als vorübergehendes Phänomen betrachtet wurde. Sie zeigte auf, wie mühsam der Weg hin zu einer Anerkennung Deutschlands als Einwanderungsland tatsächlich war und welche Rolle Bildungseinrichtungen wie die Goethe-Oberschule in diesem Prozess spielen. Schule ist für sie nicht nur Lern-, sondern auch Begegnungsort, an dem Respekt, Demokratieverständnis und Empathie praktisch eingeübt werden.

Vera Gaserow: Journalistische Perspektive auf Gesellschaft und Politik

Die Journalistin Vera Gaserow ergänzte den Abend mit einer medienkritischen und gesellschaftspolitischen Perspektive. Sie beleuchtete, wie Berichterstattung über Migration, Integration und Minderheiten Meinungsbilder formt und welche Verantwortung Redaktionen in einer polarisierten Öffentlichkeit tragen. Anhand konkreter Beispiele zeigte sie, wie wichtig präzise Sprache, sorgfältige Recherche und eine differenzierte Darstellung sind.

Für die Schülerinnen und Schüler war insbesondere spannend zu sehen, wie journalistische Arbeit hinter den Kulissen funktioniert: von der Themenfindung über die Gesprächsführung bis hin zur Frage, welche Überschriften komplexe Inhalte fair und verständlich wiedergeben, ohne zu vereinfachen oder Vorurteile zu verstärken.

Lesung, Dialog und kritische Nachfragen

Die Veranstaltung folgte einem offenen Format: Auf ausgewählte Lesepassagen folgten Gesprächsphasen, in denen Schülerinnen und Schüler ihre Fragen an Barbara John und Vera Gaserow richten konnten. Dabei ging es nicht nur um historische Fakten, sondern auch um heutige Erfahrungen mit Diskriminierung, Rassismus und Ausgrenzung im Alltag – in der Schule, im öffentlichen Raum oder in den sozialen Medien.

Viele Beiträge der Jugendlichen zeigten, wie aufmerksam sie gesellschaftliche Entwicklungen beobachten. Diskutiert wurde etwa, wie man auf Hasskommentare reagiert, welche Rolle Zivilcourage spielt und wie man Vorurteile im eigenen Umfeld erkennt und abbaut. Die Lesung wurde so zu einem intensiven Lernraum für demokratische Debattenkultur.

Die Goethe-Oberschule als Ort der politischen Bildung

Die Lesung mit Barbara John und Vera Gaserow fügt sich in das Selbstverständnis der Goethe-Oberschule als Schule ein, die politische Bildung ernst nimmt. Neben dem regulären Unterricht werden regelmäßig Veranstaltungen organisiert, die aktuelle Themen der Zeitgeschichte, Politik und Kultur aufgreifen. Ziel ist es, junge Menschen zu ermutigen, sich eine fundierte eigene Meinung zu bilden und aktiv an gesellschaftlichen Prozessen teilzunehmen.

In Arbeitsgruppen, Projektwochen und fächerübergreifenden Formaten setzen sich die Schülerinnen und Schüler mit Fragen von Demokratie, Menschenrechten, Vielfalt und Gerechtigkeit auseinander. Die Begegnung mit Zeitzeuginnen, Expertinnen und Journalisten macht diese Themen anschaulich und greifbar.

Erinnerungskultur und Verantwortung

Ein weiterer Schwerpunkt des Abends war die Bedeutung von Erinnerungskultur. Barbara John verwies auf die historische Verantwortung, die aus der deutschen Geschichte erwächst, und zog Linien zur Gegenwart. Antisemitismus, Rassismus und rechtsextreme Gewalt seien keine Phänomene der Vergangenheit, sondern erforderten auch heute klare Haltung und Engagement.

Die Schülerinnen und Schüler diskutierten, welche Rolle Gedenkstättenbesuche, Zeitzeugenberichte und historisch-politische Projekte an Schulen spielen. Deutlich wurde, dass Erinnerung nicht bei der Wissensvermittlung stehen bleiben darf, sondern Handlungsbereitschaft wecken soll – im Klassenzimmer ebenso wie im Alltag.

Sprache, Identität und Zugehörigkeit

In der Diskussion nahm das Thema Sprache einen besonderen Platz ein. Sprache ist nicht nur Kommunikationsmittel, sondern ein Schlüssel zu Identität und Zugehörigkeit. Viele Jugendliche berichteten von mehrsprachigen Biografien und davon, wie sich ihr Blick auf Deutschland, Berlin und ihre eigene Herkunft im Laufe der Schulzeit verändert hat.

Barbara John und Vera Gaserow machten deutlich, wie wichtig es ist, Mehrsprachigkeit als Ressource zu verstehen. Wer mehrere Sprachen spricht, verfügt über unterschiedliche kulturelle Codes, Perspektiven und Ausdrucksmöglichkeiten. Schulen können dies aufgreifen, indem sie Räume schaffen, in denen Mehrsprachigkeit sichtbar und wertgeschätzt wird.

Bedeutung für die Schüler:innen der Goethe-Oberschule

Die Resonanz auf die Lesung war spürbar positiv. Viele Schülerinnen und Schüler nutzten die Gelegenheit, nach der offiziellen Diskussion noch persönliche Fragen zu stellen. Für sie war es inspirierend zu erleben, wie berufliche Biografien im Bereich Politik und Journalismus aussehen können und welche Wege in diese Berufsfelder führen.

Zugleich wurde der Abend zu einem Anlass, die eigene Rolle in der Gesellschaft zu reflektieren: Welche Verantwortung trage ich selbst? Wie kann ich mich im Kleinen engagieren – in der Schule, in Jugendinitiativen, in Projekten im Kiez? Solche Fragen knüpfen direkt an den Bildungsauftrag der Goethe-Oberschule an, junge Menschen zu selbstbewussten, reflektierten und solidarischen Bürgerinnen und Bürgern zu machen.

Ausblick: Weitere Veranstaltungen und Projekte

Die Lesung mit Barbara John und Vera Gaserow ist Teil einer Reihe von Veranstaltungen, mit denen die Goethe-Oberschule Berlin Zeitgeschichte erlebbar macht. Geplant sind weitere Lesungen, Diskussionsrunden und Projektarbeiten, die unterschiedliche Themenfelder aus Politik, Kultur, Geschichte und Medien aufgreifen.

Schülerinnen und Schüler werden dabei nicht nur als Zuhörende, sondern als aktive Mitgestaltende angesprochen: Sie entwickeln Fragestellungen, bereiten Moderationen vor, gestalten Ausstellungen oder digitale Präsentationen und reflektieren ihre Ergebnisse im Unterricht. So entsteht eine Schulkultur, in der Lernen über den Klassenraum hinaus stattfindet.

Fazit: Ein Abend, der nachwirkt

Die Lesung mit Barbara John und Vera Gaserow an der Goethe-Oberschule Berlin war weit mehr als eine klassische Autorenveranstaltung. Sie vereinte historische Einordnung, persönliche Erfahrungen, medienkritische Perspektiven und engagierte Schülerfragen zu einem lebendigen Dialog über Demokratie, Vielfalt und Verantwortung. Viele der angesprochenen Themen werden die Schulgemeinschaft noch lange begleiten – im Unterricht, in Projekten und in der alltäglichen Schulkultur.

Wer aus anderen Städten oder Ländern nach Berlin kommt, um Veranstaltungen wie die Lesung mit Barbara John und Vera Gaserow an der Goethe-Oberschule zu besuchen, findet in der Umgebung eine große Auswahl an Hotels für unterschiedliche Bedürfnisse: vom einfachen Stadthotel bis zum komfortablen Haus mit Tagungsräumen, in denen sich der Tag in Ruhe nachbereiten lässt. So lassen sich kulturelle und bildungspolitische Termine ideal mit einem entspannten Aufenthalt verbinden – etwa, um nach einer intensiven Diskussion über Integration, Erinnerungskultur und Demokratie noch einen Spaziergang durch die Stadt zu machen und das Erlebte in Ruhe Revue passieren zu lassen.